Gebietsinformationen
Das Naturschutzgebiet Önztäli umfasst einen mäandrierenden Abschnitt der Önz mit meist unverbauten Ufern. Eingebettet ist der Flussabschnitt in Dauergrünland, welches extensiv genutzt wird. So verfügt nicht nur der terrestrische, sondern auch der aquatische Lebensraum über eine hohe Artenvielfalt. Die natürliche Dynamik der Önz und der vielfältige Lebensraum stehen in diesem Gebiet im Fokus. Eine weitere Renaturierungsetappe ist in Bearbeitung.
Regeln im Naturschutzgebiet
Im Schutzgebiet ist u.a. untersagt
- das Reiten ausserhalb der befestigten Wege
- das Pflücken, Ausgraben und Schädigen von Pflanzen, einschliesslich Pilzen, Beeren, Moosen und Flechten
- das Stören, Fangen, Verletzen oder Töten von Tieren sowie das Beschädigen oder Zerstören ihrer Behausungen, Unterschlüpfe, Nester und Gelege
- das Aussetzen von Tieren
- das Eingreifen in den Wasserhaushalt

Karte
Bildimpressionen
Die Entstehung des Önztäli
Das Önztäli ist ein faszinierendes Beispiel für die landschaftsformende Kraft des Wassers. Seine Entstehung geht auf die Zeit nach der letzten Eiszeit zurück. Der sich zurückziehende Rohnegletscher hinterliess eine von Grund- und Endmoränenwällen umrahmte Schotterebene. In diese Ebene begann sich die Önz einzutiefen. Durch kontinuierliche Erosion schuf der Fluss im Laufe der Jahrtausende ein 10 bis 20 Meter tiefes und bis zu 200 Meter breites Tal - das heutige Önztäli.
In den breiten, flachen Talbereichen bildeten sich durch die schwankenden Wasserstände mit regelmässigen Überschwemmungen fruchtbare Auenlandschaften. Diese dynamischen Ökosysteme zeichnen sich durch eine hohe Biodiversität aus und bieten Lebensraum für zahlreiche spezialisierte Pflanzen- und Tierarten. Weitere Informationen dazu: Intakte Lebensräume - Rückzugsorte für seltene Arten
Ab dem 13. Jahrhundert wurde diese wilde Flusslandschaft auf eine einzigartige Weise bewirt-schaftet - mittels Wässermatten entstanden fruchtbare Wiesen. Weitere Informationen dazu: Wässermatten - kulturelle Schätze
Die Erosionsrinne des Önztäli ist auf dem GeoCover des Bundesgeoportal gut zu erkennen.
Der Verlauf der Önz ist sehr ursprünglich, was auch deutlich auf der Dufourkarte von 1888 zu erkennen ist.
Totholz im Fluss
Totholz (abgestorbenes Holz) umfasst umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste und alte Baum-stümpfe. In Fliessgewässern mit regelmässigem Hochwasser und einem dynamischen Geschiebe-system trägt es wesentlich zur ökologischen Vielfalt bei. Ein im Bach liegender Baumstamm lenkt das Wasser sowohl darunter als auch darüber, wodurch Zonen mit unterschiedlichen Strömungs-geschwindigkeiten entstehen. Dies führt zu tiefen Ausspülungen (Kolken), flachen Sedimentablage-rungen, Bereichen mit groben Steinen und solchen mit Sand und Kies (Kiesbänke). Diese Dynamik führt dazu, dass auch unter Wasser verschiedene Mikrohabitate entstehen.
Funktionen von Totholz im Gewässer:
- es bietet Fischen, Insekten und weiteren Wassertieren Schutz und Ruhezonen
- führt zu Strömungs- und Tiefenvariabilität
- fördert das Nahrungsangebot für Wirbellose wie den Bachflohkrebs, in dem es organisches Material zurückhält

Durch den gezielten Einbau von Totholz werden Gewässer wiederbelebt. In grösseren Bächen und Flüssen braucht es für die Planung und Umsetzung ein Ingenieurbüro, sodass die Strukturen gut verankert und auf die erwarteten Hochwasserereignisse angepasst sind. In kleineren Bächen mit weniger Dynamik können Wurzelstöcke, Äste oder Faschinen sogar in Handarbeit eingebaut werden. Hier können auch Sie aktiv werden: Fragen Sie beim regionalen Fischereiverein nach, ob Sie bei einem Einsatz mithelfen können: www.fischerschaffenlebensraum.ch
Intakte Lebensräume - Rückzugsorte für seltene Arten
Grössere Gewässer in Talgebieten sind natürlicherweise von Auenwäldern und Feuchtwiesen gesäumt, die im Überschwemmungs- oder Grundwassersschwankungsbereich liegen. Hochwasser und Perioden der Trockenheit, Erosion und Sedimentation erzeugen eine aussergewöhnliche Vielfalt an Lebensräumen, die von rund 40 % der heimischen Pflanzenarten und von 84 % unserer Tierarten genutzt werden (Biodiversität in der Schweiz, BAFU 2023). Viele Tierarten haben sich genau auf diese enge Verzahnung von unterschiedlichen Lebensräumen und auf eine hohe Dynamik angepasst.

Während der kulturellen Entwicklung wurde immer mehr Land für die menschliche Nutzung urbar gemacht, Fliessgewässer begradigt und Feuchtwiesen trockengelegt, so sind viele "nasse" Lebensräume, welche früher unsere natürlichen Gewässer begleitet haben, verschwunden. Ebenso im Önztäli, wobei der mäandrierende Flussarm erhalten werden konnte und seit 1985 unter Schutz steht.
Im Rahmen des Projektes an der Önz (2024/2025) konnte im Bereich der 'Schwerzi' in Kombination mit der Revitalisierung der Önz eine ökologische Aufwertung umgesetzt werden. Durch die neu angelegten Flutmulden bleibt das Wasser nach einem Hochwasser für eine gewisse Zeit in der Landschaft gespeichert. In der Nähe der Infotafel ist zudem ein neuer Amphibienteich entstanden. Diese neuen Wasserflächen sollen der Kreuzkröte, Libellenarten und seltenen Pflan-zenarten wie dem Strauss-Gilbweiderich oder dem Wilden Reis neue Lebensräume bieten.
Erfahren Sie mehr zur historischen Entwicklung des Schweizer Gewässerschutzes seit 1800 auf der Timeline des Wasserforschungsinstituts des ETH-Bereichs: Schweizer Gewässerschutz
Strukturen für Wiesel und Wildbienen
Gewässer dienen vielen Tieren, wie dem Hermelin, als wichtige Wanderkorridore. Entlang der Ufergehölze können sie sich geschützt vor Fressfeinden fortbewegen, finden Unterschlupf und Nahrung. Im Rahmen des Projektes an der Önz (2024/2025) sind neue Hecken und mehrere sogenannte Wieselburgen erstellt worden. Das sind Asthaufen mit einer eingebauten geschützten Bruthöhle in der Mitte (s. Foto, weitere Infos unter www.wieselnetz.ch), welche die Bewohner vor Eindringlingen schützt. Neben dem Hermelin werden die Unterschlüpfe auch von Amphibien, Eidechsen und zahlreichen weiteren Kleintieren genutzt.
Auch Wildbienen sind an dynamischen, natürlichen Gewässern zu finden, hier lagern sich regelmässig Sand und Kiesinseln ab, das ist der Lebensraum von sandnistenden Wildbienen. An der Önz können selten gewordene Arten künftig von den zusätzlich erstellten Sandlinsen profitieren. Für den Bau der Sandlinsen konnte ein Teil des Aushubs der Flutmulden wiederverwertet werden. Da Wildbienen keine weiten Strecken fliegen, ist es wichtig, dass Nist- und Futterplätze nahe beieinander liegen.
Rund um die Sandlinsen wurde daher eine Wildblumenwiese, um die neuen Mulden eine Feucht-wiese angesät, diese decken künftig den Nektarbedarf der Wildbienen.
Wässermatten - kulturelle Schätze

In den oberaargauischen Flusstälern finden sich die letzten Reste der einst im Mittelland weit verbreiteten Wässermatten. Mithilfe von verzweigten Kanälen, Schleusen und Dämmen wurden die Wiesen regelmässig bewässert, um sie durch mitgeschwemmte Feinstoffe natürlich zu düngen und so ertragsreiche Heuwiesen zu gewinnen. Die dickverfilzte Grasnarbe schützte verlässlich vor Erosion bei Hochwasser.

Durch die Bewirtschaftung der Wässermatten entstand eine vielfältige Kulturlandschaft. Der sogenannte Wässerungsplan (s. Bild) half bei der Einteilung, wer in welcher Matte wann und wieviel wässerte. Mit Juch wird auf die Flächengrösse verweisen. Gem. dem historischen Lexikon der Schweiz wird ein Juch von Juchart abgeleitet. Die Jucharte entsprach einem Tagewerk eines Pflügers. Die Grössenangabe variierte somit je nach Gelände. Im Mittelland entsprach eine Juchart 41-62 a während in hügelig-bergigem Gelände der Südschweiz 7-8.5 a gemeint waren.
Mit der Einführung von Kunstdünger und dem Bedarf an Bauland verschwanden die Wässermatten weitgehend. Sie sind heute selten geworden, etwa 3 Kilometer flussaufwärts, in Oberönz, gibt es aber noch letzte Reste der Kulturform. Sie wurden ins Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) aufgenommen, um traditionelles Wissen zu erhalten (Link: https://s.geo.admin.ch/ppid94xmlu0b).
Wässermatten haben heute also eine andere Funktion als noch im vorletzten Jahrhundert, so steht nicht mehr die Ertragssteigerung sondern eher die Erhaltung und Förderung im Rahmen von vorwiegend kulturhistorischen Interessen im Vordergrund. Aus ökologischer Sicht ist die heutige intensive Nutzung und Düngung an vielen Orten leider nachteilig für die Entfaltung ihres hohen ökologischen Potenzials als Lebensraum. An geeigneten Orten können Wässermatten jedoch Horte der Biodiversität sein.
Aus hydrologischer Sicht sind vorallem von Prof. Dr. Christian Leibundgut interessante Berichte zum Einfluss von Wässermatten auf das Grundwasser vorhanden. So beschreibt er unter anderem, dass durch die gezielte Versickerung des Bachwassers durch die porösen Kiesböden des Langetentals der Grundwasserspiegel stabilisiert werden konnte. Die Wässermatten also u.a. auch im Langetental wesentlich zur Grundwasseranreicherung resp. -neubildung geführt haben. Als Lesetipp für weiterführende Informationen bietet sich sein Buch 'Traditionelle Bewässerung – ein Kulturerbe Europas' an.

Dieses Gebiet ist Teil der folgenden Inventare und Reservate von nationaler Bedeutung:



